Orban vs. Kika

Das Kikaninchen schlägt wieder zu

Das Kikaninchen wirkt unbeeindruckt© Wikimedia Commons

Das wirkt unbeeindruckt

Das Kikaninchen schlägt wieder zu

Haben Sie im ()-Alter? Dann ist Ihnen sicherlich das Kikaninchen schon begegnet. Ein, wie es Bernhard Grzimek formuliert hätte, äußerst possierliches (Zeichentrick)-Tierchen; -Symbol und Merchandising-Träger in einem. Was es außer dem Kikaninchen noch auf zu sehen gibt, wissen seit letzter Woche auch Menschen ohne Kinder: , in denen offenbar weniger Blätter vor den Mund genommen werden, als im sonst üblich. Ungarns innenpolitisch äußerst erfolgreicher Westentaschen-Diktator – offenbar regelmäßiger -Zuschauer – fühlte sich jedenfalls von den -Nachrichten “” derart auf den braungesprenkelten Schlips getreten, dass er die Konfrontation suchte. Das Kikaninchen hatte wieder zugeschlagen.

vs. Kika

Was in unter Orban abläuft, kann seit der Regierungsübernahme von dessen Fidesz-Partei vor drei Jahren jeder sehen, auch ohne Kika. Dass die – anders als noch bei Jörg Haider im Jahr 2000 – außer heiße Luft zu verströmen nichts dagegen unternehmen wird, dass sich ein stimmberechtigtes Mitglied offen auf dem Weg zur lupenrein russischen Demokratie gemacht hat, ist auch keine Neuigkeit. Was also bringt einen wie Orban dazu, sich öffentlich über einen Kinder-Fernsehsender eines nicht-einmal-Nachbarlands mit Worten wie “Gehirnwäsche” und “Lügen” auszulassen? Der Inhalt der Kika-Nachrichten kann es eigentlich nicht sein, oder? Hören wir mal hinein: “Die Regierung will aber erreichen, dass die Menschen nur gute Nachrichten über sie mitbekommen.”, hieß es im „Logo“-Bericht und “Und nun haben die meisten Politiker Ungarns auch noch entschieden, dass das wichtigste Gericht in Zukunft viel weniger Rechte haben soll.”

Heimliche Liebe?

Stimmt und stimmt; siehe den Inhalt der jüngsten Orbanschen Verfassungsänderung diese Woche, die etwa dem Verfassungsgericht die Erlaubnis entzieht, Gesetze auch inhaltlich statt nur formell zu prüfen. “In Ungarn wäre das nicht möglich”, polterte der Orban. Ganz offensichtlich nicht; dafür hat man schließlich eine Zensur. Warum aber fühlt sich ein Premierminister von ausländischem Kinderfernsehen bedroht, der zu Hause mit Zwei-Drittel-Mehrheit komfortabel im Sattel sitzt und nach Herzenslust durchregiert? Wollen seine fünf Kinder nicht vom Kikaninchen lassen? Ist er heimlich in Kika-Moderatorin und Logo-Sprecherin Jennifer „Jennie“ Sieglar verliebt? Oder hat er, wie so viele böse Jungs vor ihm, nicht begriffen, dass man sich entscheiden muss, ob man geliebt oder gefürchtet werden will? Wie wissen es nicht genau, das Kikaninchen jedenfalls scheint von Orbans verbaler Blutgrätsche nicht sonderlich beeindruckt und versteckt vermutlich gerade einige Ostereier. Wir würden daher beim Federgewichts-EM-Kampf Orban vs. Kikaninchen einen klaren Punktsieger feststellen wollen. Kindermund tut nicht nur Wahrheit kund, mancherorts darf Kind sogar die Wahrheit hören, zumindest über die anderen.

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