Das Geheimnis von Oxford und die deutschen Universitäten

Das gelobte Land

Das gelobte Land - Oxford

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Ja, sicher, da sind Harvard, Yale, Princeton oder Berkeley. Und ja, Cambridge (in Oxford nur “the other place” genannt) ist auch ganz in Ordnung. Aber das gelobte Land, der Nabel der akademischen Welt, das Delphi des Geistes ist – seit mittlerweile beinahe 800 Jahren – die südenglische Stadt Oxford.
Die Oxford ist – nicht zuletzt dank exzellentem “Brand Management” – mehr als eine Ansammlung von -Colleges, sie ist ein beinahe ein mythischer Ort. Wer das Gegenteil behauptet, war entweder noch nicht dort, oder gehört zu diesen unheilbar rationalen Menschen, die auch glauben, dass man nur einmal genau nachdenken müsste, um die Probleme der Welt zu lösen.

Abwicklung der an deutschen Universitäten

Angesichts der fortschreitenden Abwicklung der Vernunft und des Denkens an deutschen Universitäten, die wohlgemerkt durch den Bologna-Prozess nur an Fahrt gewonnen hat, weit zuvor aber bereits begonnen wurde, lohnt die Frage: Was ist eigentlich so besonders an Oxford? Was ist das Geheimnis, das der Universität ihren weltweiten, mythischen Ruf beschert und bis heute erhalten hat.

Das Geheimnis von Oxford

Geht man im Sommer durch die engen Straßen Oxfords, fallen zunächst die unzähligen Touristen auf, die die Stadt und besonders die Colleges wie ein Freilichtmuseum behandeln, ohne Rücksicht auf die Bewohner der millionenfach photographierten Gebäude.
Sensiblere Naturen werden aber wohl an einem anderen Eindruck hängenbleiben, der ein doppelter ist: Man fühlt sich fremd, nicht dazugehörig zu dem, was sich hinter den alten Mauern abspielt. Und: Man möchte dazugehören, unbedingt.

Anziehungskraft durch

Diese Anziehungskraft ist eine, die durch Privilegien wirkt, die Mitgliedern eines Colleges zuteilwerden. Das beginnt mit der Mitgliedschaft an sich und dem Schlüssel zu einer Seitenpforte der Collegemauer. Mit der Anzahl der erfolgreich absolvierten Studienjahre steigen dann etwa Prestige und Qualität der eigenen Unterkunft. Und engagiert man sich musikalisch oder sportlich für das eigene College, kommen weitere Vorrechte hinzu, bis hin zum Privileg der Lehrenden, den geheiligten Rasen der Innenhöfe betreten zu dürfen.

unnötig

Gegen die Anziehungskraft dieses Systems von Privilegien, verbunden mit der trotz mancher Fehlentwicklungen immer noch unbestreitbaren akademischen Brillanz der Universität Oxford, wirkt die deutsche Exzellenzinitiative als das, was sie ist: Ein unbeholfener Versuch ohne wirkliche Anziehungskraft und Tiefe, eine billige Kopie ohne Wert. Derlei ist in Oxford schlicht unnötig.

Elitäres, gelobtes Land?

Aber das klingt ja alles furchtbar elitär, werden Sie vielleicht einwenden. Das ist es durchaus. Aber erstens funktioniert es seit über 600 Jahren, zweitens ist selbständiges, kritisches Denken dort noch Bildungsziel, während hierzulande das Nicken mit leerem Kopf gefördert wird und drittens ist akademische Leistung ohne Ansporn nicht möglich. Punkt.

Dass auch im gelobten Land nicht alles zum Besten steht, kann man im Alten Testament nachlesen, seine Anziehungskraft ist jedoch ungebrochen. Aus gutem Grund.

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