Bauwerk

Das Aachener Rathaus

1. Frühe Geschichte des Aachener Rathauses

Das gotische Aachener Rathaus ist neben dem Dom das markanteste im historischen Stadtkern der Stadt Aachen.
Als das alte Rathaus (das heutige Grashaus) zu klein geworden war, begann man 1330 mit dem neuen Rathausbau, wobei das Gebäude auf den Grundmauern des verfallenen und durch einen Normanneneinfall zerstörten Palastbaus aus der Karolingerzeit errichtet wurde. Er entspricht in den Maßen genau denen des karolingischen Palastes. Als Zugeständnis an das Königshaus musste sich die Aachener Bürgerschaft allerdings verpflichten, einen Saal für das festliche Krönungsmahl einzurichten.

Der aus der Zeit Karls des Großen stammende Granusturm wurde übernommen. Er ist bis zu einer Höhe von 20 m im Originalzustand erhalten. Er wurde in den Rathausneubau übernommen und um weitere drei Stockwerke erhöht und diente sowohl als Wachturm als auch zur Aufbewahrung wichtiger Urkunden der Stadt. Zu Karls Zeiten diente er als Wohn- und Treppenturm und war sogar in einzelnen Räumen beheizbar und wies ein damals gänzlich unübliches WC auf. Aus diesem Grund nimmt man an, dass er zum Wohnbereich Karls des Großen gehörte. Auch ein Gefängnis hat sich darin befunden.

Die Fertigstellung des gotischen Rathauses erfolgte 1349. Die karolingischen Spuren finden sich heute nur noch in den Fundamenten und in wenigen Teilen des Außenmauerwerks. Der reiche Figurenschmuck der Marktfassade veranlaßte 1435 den Humanisten Eneo Silvio Piccolomini, den späteren Papst Pius II. das Rathaus als “Deutschlands vornehmsten Palast” zu bezeichnen.

Der zweischiffige, 1000 m² große Krönungsfestsaal mit seinen jeweils fünf Kreuzrippengewölben gehört mit 18,5 m Breite und 45 m Länge zu den größten mittelalterlichen Räumen Deutschlands. Es ist dieser Saal, der dem Aachener Rathaus seine Einzigartigkeit verleiht und es vor allen anderen Rathäusern des Reiches auszeichnete. Vom mittelalterlichen Saal sind heute noch die Umfassungsmauern und die vier Mittelpfeiler original erhalten. Die meisten der Gewölbe zerstörten die Bomben des Zweiten Weltkriegs.

Krönungssaal, Karl der Große im Aachener Rathaus

Krönungssaal, Karl der Große im Aachener Rathaus

Seit die Königskrönungen ab 1562 nicht mehr in Aachen, sondern in Frankfurt am Main stattfanden, verlor der Krönungsfestsaal seine Bedeutung. Er wurde jetzt städtischer Festsaal, in dem u. a. auch Zar Peter der Große bei seinem Besuch 1717 das Tanzbein schwang.

Ein für Aachen und die europäische Geschichte weiteres zentrales Ereignis war der Friedenskongress von 1748. Mit dem „Aachener Frieden” wurde der Österreichische Erbfolgekrieg zwischen Österreich, England, Frankreich und den Generalstaaten besiegelt. Jetzt begann Aachens große Zeit als Bäderstadt.

2. Das Rathaus seit dem 19. Jahrhundert

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das barocke Rathaus, nachdem es mehr und mehr verfallen war, vom damals gegründeten „Kunstverein der Rheinlande und Westphalens” in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt und zusätzlich mit neugotischen Gemälden (Rethel), Reliefs und Skulpturen ausgestattet. Die dem Markt zugewandte Fassade wurde mit 50 Königen sowie Symbolen von Künsten, Wissenschaft und Christentum versehen. Man entschied sich nun auch für den Anbau eines Treppenhauses vor der Katschhoffassade. Damit vollzog man den ersten Schritt zur „Regotisierung”. Bei einem weiteren Brand (nach 1656) im Jahre 1883 verbrannten wiederum Dächer und Türme. Die Restaurierungsarbeiten wurden 1902 fertig gestellt. Zwei alles überragende Türme wurden erstellt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude durch Bombentreffer stark beschädigt. Die Marktfassade war 30 cm aus dem Lot geraten und drohte einzustürzen. Mit der Restaurierung wurde Ende der 40er Jahre begonnen, wobei die statische Sicherung und der Wiederaufbau zerstörter Gebäudeteile im Vordergrund standen. Es gelang durch Verankerungen, den Einsturz zu verhindern. Schon 1944 begann man mit der Rettung der fünf noch vorhandenen Karlsfresken, die auf Leinwand übertragen wurden. Die alte Farbenpracht konnte aber nicht mehr erreicht werden. Ende der 70er Jahre wurden die Innenräume restauriert und teilweise neu gestaltet.

In unseren Tagen ist der Königssaal zentraler Festlichkeiten der Stadt. Neben dem Internationalen werden hier auch verschiedene Kulturpreise verliehen. Er ist auch Ort großer Ausstellungen.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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