Buch der Bibel

Buch Judit

Buch Judit - Judit mit dem Kopf von Holofernes

Buch Judit - Judit mit dem Kopf von Holofernes

1. Allgemeines zum Buch Judit

Das Buch Judit ist ein deuterokanonisches bzw. apokryphes Buch des Alten Testaments. Es wurde wahrscheinlich um 150 v. Chr. auf Hebräisch in Judäa (möglicherweise in Jerusalem) verfasst. Die schöne und gottesfürchtige Witwe Judit geht unbewaffnet in das Heerlager des nebukadnezaischen Generals Holofernes und enthauptet ihn mit seinem eigenen Schwert. Judit übernimmt indirekt die Rolle des Mose und rettet das Volk . Ihre mutige Tat ist keine Glorifizierung des Mordes oder Krieges, sondern eine gerade den mörderischen Krieg aufs schärfste verurteilende Handlung.

Von seiner Form her kann man das Buch Judit nicht als geschichtlichen Bericht, sondern als einen lehrhaften, weisheitlichen Roman verstehen, denn viele Angaben im Text sind offensichtlich unhistorisch und wären vermutlich auch zeitgenössischen Lesern sofort als solche aufgefallen; so war etwa Nebukadnezar in der Realität (und im Rest der Bibel) König von Babylonien, nicht wie im Buch geschildert von Assyrien. Außerdem gelang ihm die Eroberung Judäas, wie im 2. Buch der Könige geschildert, während diese im Buch Judit scheitert.

Das Buch wurde nicht in den jüdischen Kanon aufgenommen, ist aber Teil der Septuaginta und wird von Katholiken und orthodoxen Christen (nicht aber von Protestanten) als Teil der Bibel angesehen. Das Buch ist in mehreren griechischen Übersetzungen, der lateinischen Übersetzung, einer aramäischen Fassung und einer (sicher nicht originalen) hebräischen Fassung überliefert.

2. Inhalt des Buches

2.1. Die Belagerung

Verärgert wegen mangelnder Unterstützung in einem – siegreich beendeten – Krieg, sendet der assyrische König Nebukadnezar seinen Oberbefehlshaber Holofernes mit einem gewaltigen Heer gegen alle Länder des Westens. Sie sollen erobert und bestraft werden; alle, die Widerstand leisten, sollen schonungslos dem Tod und der Plünderung preisgegeben werden. Holofernes zieht verheerend durch einen Teil von Kleinasien und Syrien und kommt so auch an die Nordgrenze von Palästina (Kap. 1-3).

Die Israeliten treffen nach Anweisung ihres Hohenpriesters sogleich Verteidigungsmaßnahmen und sperren die Bergpässe, wenden sich aber auch mit Buße und Gebet an Gott den Herrn (Kap. 4). Demgemäß sieht sich Holofernes vor der kleinen Bergfestung Betulia, die den Schlüssel zum nördlichen Palästina bildet, aufgehalten. Voll Grimm darüber erkundigt er sich bei den moabitischen und ammonitischen Fürsten in seinem Heer, welches Volk es sei, das ihm so zu widerstehen wage. Die Antwort gibt ihm der Ammoniterfürst Achior in einem vollständigen Abriss der jüdischen Geschichte, als deren Resultat er konstatiert, dass die Israeliten unüberwindlich seien, solange sie ihren Gott den Einzigen nicht beleidigten (Kap. 5). Hiermit zieht Achior sich den Unwillen aller assyrischen Großen zu, besonders auch deswegen, weil der assyrische König auf die höchste göttliche Verehrung Anspruch erhebt und jede fremde Religion ausrotten will. Demzufolge lässt Holofernes den Ammoniterfürsten gebunden nach Betulia führen, damit er sich bei der Einnahme der Feste von der Torheit seiner Behauptung und der Allgewalt der Assyrer überzeugen und dann elend mit den Juden zu Grunde gehen könne.

Von den Israeliten aufgenommen, erregt Achior durch seine Erzählung großen Schrecken; doch fassen die Israeliten sich wieder im Vertrauen auf den allmächtigen Gott (Kap. 6). Als aber Holofernes Betulia mit 180.000 Mann einschließt und die Wasserleitung abschneidet, sinkt den Belagerten der Mut. Als sich die Wasservorräte zu Ende neigen, fordern die Belagerten am 34. Tag der Belagerung den Stadtobersten Usija auf, die Festung zu übergeben. Usija verspricht, ihnen nachzugeben, wenn in fünf Tagen keine Rettung komme (Kap. 7).

2.2. Judit rettet das Gottesvolk

Von diesem Abkommen hört die fromme Witwe Judit, die Tochter Meraris von Betulia. Manasse, ihr Mann, war schon Jahre zuvor zur Zeit der Gerstenernte an einem Hitzschlag gestorben. Judit wird mit folgenden Worten in der Bibel beschrieben: „Sie hatte eine schöne Gestalt und ein blühendes Aussehen. Ihr Gatte Manasse hatte ihr Gold und Silber, Knechte und Mägde, Vieh und Felder hinterlassen, die sie in ihrem Besitz hielt. Niemand konnte ihr etwas Böses nachsagen, denn sie war sehr gottesfürchtig.“ (Jdt 8, 7-8)

Judit bei der Ermordung Holofernes

Judit bei der Ermordung Holofernes

Sie ist ganz anderer Ansicht, macht den Ältesten der Stadt Vorhaltungen wegen ihres Mangels an Gottvertrauen und begehrt für sich und ihre Magd freie Passage durch das Stadttor (Kap. 8). Nachdem ihr diese zugesagt werden, wirft sie sich in inbrünstigem Gebet vor Gott nieder, um dessen Segen zu ihrem kühnen Plan zu erflehen (Kap. 9), schmückt sich dann aufs herrlichste und geht mit ihrer Magd ins assyrische Lager. Hier angekommen, erregt sie durch ihre Schönheit großes Aufsehen und wird sogleich zu Holofernes geführt (Kap. 10). Es gelingt ihr, ihn durch kluge Reden zu berücken (Kap. 11), sodass sie Freiheit erhält, im assyrischen Lager aus- und einzugehen. Bei einem Mahl am 40. Tag der Belagerung, welches ihr zu Ehren gegeben wird, ist Holofernes so betrunken (Kap. 12), dass Judit, welche mit ihm allein gelassen wird, ihm mit seinem eigenen Schwert das Haupt abschlagen kann. Letzteres bringt sie mit sich zurück nach Betulia zum freudigen Erschrecken aller dort Befindlichen (Kap. 13).

Auf Achior macht dies solchen Eindruck, dass er sich zur jüdischen Religion bekennt. Nach Judits Rat aber machen nun die Belagerten einen Ausfall, und so wird den Assyrern bekannt, was geschehen ist (Kap. 14). Voll Schrecken darüber suchen sie in wilder Flucht ihr Heil, und das ganze Lager wird zur Beute der Hebräer. Hoch gefeiert (Kap. 15), gibt Judit in herrlichem Loblied ihrer Dankbarkeit gegen Gott Ausdruck und zieht sich dann wieder in die Stille des Witwenlebens zurück. Solange Judit lebt, und noch lange nach ihrem Tod, wagt es niemand mehr, Israel zu erschrecken (Kap. 16).

Bildquelle: Wikimedia Commons

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