Totale Überwachung à la Big Brother: Pentagon startet "Insight"

Big Brother ist kein Mensch

Big Brother ist kein Mensch

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:%C3%9Cberwachungskameras_Singapur.jpg

ist kein Mensch

In George Orwells 1984″ ist er überall: Big Brother sieht alles und weiß alles; es gibt kein Entrinnen. Im unterhaltungs-industriellen Abklatsch dieser düsteren Zukunftsvision, dem Fernsehformat “Big Brother” (im deutschen Fernsehen läuft die elfte Staffel), gibt es, anders als bei Orwell, die Möglichkeit, das überwachte Serien-Haus zu verlassen. Die Realität der mittlerweile technisch machbaren elektronischen sieht da anders aus. Das vermutlich elaborierteste Konzept zur totalen Kontrolle, das “Insight”-Programm des US-Verteidigungsministeriums, macht vor allem eines deutlich: Der echte Big Brother ist kein Mensch.

Totale Überwachung à la Big Brother: startet “Insight”

Der Umfang der Verfügbarkeit von persönlichen Daten im Internet (Facebook, , Amazon etc.) und in staatlichen Datensammlungen (!) ist bereits Thema dieser Kolumne gewesen. Der Alptraum der Zusammenfassung all dieser Daten zum ultimativen “biggest possible brother” bekommt in Gestalt des “Insight”-Programms des Pentagon einen Namen. Das Vorhaben explodiert dabei wie eine knochentrockene Panzerfaust in die immer noch grassierenden Internet-Utopien von Anarchie und Freiheit, während gleichzeitig Facebook ab sofort die automatische Personenerkennung auf allen ins Portal geladenen Photos ermöglicht. Der Kern von Insight ist dabei letztlich die nicht nur militärisch und geheimdienstlich interessante Frage: Was tun mit all den verfügbaren Daten? Man muss kein nicht lange überlegen, um zumindest eines zu wissen: Big Brother ist nicht DNA- sondern CPU-gesteuert.

1,8 Gigapixel-Kamera trifft auf Rechenleistung und Datenflut

Das “Insight”-Programm wird geheimdienstlich erfasste Daten (auch diese nehmen rapide zu) mit frei verfügbaren aus dem Internet abgleichen. Doch damit nicht genug; vorrangiger Zweck der Übung ist nicht bloßes Wissen. Dieser Big Brother beobachtet nicht nur, er wird auch vorhersagen und am Ende der Überlegungen sicher auch entscheiden oder zumindest Entscheidungen empfehlen, und das geht so: Eine bereits existierende, unbemannte , bestückt mit einer 1,8-Gigapixel-Kamera und nicht weniger als 92 Objektiven überfliegt ein “Krisengebiet” (schön, wenn man hier die Definitions-Kompetenz besitzt). Dabei zeichnet sie menschliche Bewegungen auf, die ein nachgeschalteter Rechner in Bewegungs- bzw. Handlungsmuster übersetzt. Diese werden mit ständig aktualisierten “Insight”-Datensammlung abgeglichen, um im aufklärerischen Idealfall bereits die Vorbereitung einer kriegerischen Handlung zu identifizieren und entsprechende Gegenmaßnahmen zu ermöglichen.

Verdächtige Bewegungsmuster

Die zugrunde liegende Logik ist klar: Je mehr Daten verfügbar sind, desto mehr muss deren Auswertung dem Computer überlassen werden und auch der muss die Datenflut erst einmal in Muster gießen, um ihrer Her zu werden. Einmal “erkannte” Muster werden natürlich gespeichert, der Insight-Rechner lernt dazu. Nun werden in – realen oder wahrgenommenen – Kriegsszenarien Entscheidungen keiner Ethik-Kommission zur Beurteilung vorgelegt, ehe sie umgesetzt werden. Gnade also dem, der in Zukunft mit seinen Handlungen unter die “verdächtig, sofort eliminieren”-Kategorie der von Insight gespeicherten Muster gerät; auch wenn er hinter dem Busch keine Bombe platzieren, sondern nur austreten wollte.

Big Brother wird ein gutes Geschäft

Nun könnte man mit einiger Berechtigung sagen, dass auch der Mensch im Krieg nicht unbedingt bessere Entscheidungen trifft – man erinnere sich nur an die Wikileaks-Videos aus dem Irak und Afghanistan. Dazu nur soviel: Dass eine Technologie für den Krieg entwickelt wird, heißt nicht, dass sie nur dort auch benutzt wird; man sieht sie schon Schlange stehen vor dem Pentagon, die Geheimdienstler der Welt. Mit feuchten Augen und prallen Koffern. Big Brother wird vor allem eines sein: ein sehr gutes Geschäft.

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