Zur Rede des Papstes im Bundestag

Athen, Jerusalem und Rom – der Papst in Berlin

Papst in Berlin

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Verkehrsstaus in der Hauptstadt, Bürger, die ihre Wohnung nur noch nach Ausweiskontrolle betreten dürfen, Willkommens-Plakate am Gebäude der Konrad Adenauer-Stiftung: Der Papst ist in Berlin. Die “von Unglauben und Gottesvergessenheit geprägte Stadt” (Erzbischof Woelki anlässlich der Papst-Messe im Olympiastadion) erlebt dieser Tage gewiss keinen normalen Staatsbesuch. Für viele Kritiker war dabei im Vorfeld die Rede des Papstes vor dem deutschen größter Stein des Anstoßes. In der Tat kann man fragen, warum ein Papst unbedingt vor den Abgeordneten des Bundestages sprechen sollte. Seine Bedeutung als Staatsoberhaupt – unter anderen Umständen die gültige Begründung einer solchen, äußerst seltenen Einladung – kann es nicht sein. Für Papst Benedikt, vormals Joseph Kardinal Ratzinger selbst war die Sache klar; die Einladung des Bundestagspräsidenten, vor dem Hohen Haus zu sprechen, gelte ihm “als Papst, als Bischof von , der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt.”

Ein anderes Kaliber – zur Rede des Papstes im Bundestag

Dies, so der Papst weiter, sei die Grundlage seiner internationalen Verantwortung und der Rolle des Vatikans in der Welt. Ein bemerkenswerter Auftakt, der nichts weniger formulierte, als den ungebrochenen Anspruch des Papstes, die Rolle als oberster Hirte der katholischen Herde der Welt gleichzeitig als moralisch-politische Führungsinstanz von Weltgeltung verstanden zu wissen. Bereits in dieser Anfangspassage der Rede Papst Benedikts musste dem aufmerksamen Zuhörer vor allem eines klar geworden sein: An diesem Tag hatte es das Plenum mit einem Redner zu tun, der aus eindeutig anderem Holz geschnitzt ist, als das bis auf beklagenswert wenige Ausnahmen rhetorische Fallobst, das dort ansonsten hinter dem Pult zu hören ist. Die hernach äußerst positiven, geradezu erleichterten Reaktionen auf die Papst-Rede aus den Reihen der Parlamentarier und die Kommentare in den Medien, die den Vortrag als “eher professoral” oder gar “langweilig” bezeichneten, mussten allerdings stutzig machen.

Im Medium der

Hatten die einen tatsächlich damit gerechnet, dass sich der Papst in den stellt und explizit die Wiedervereinigung von Staat und Kirche unter seiner Führung fordert? Und hatten die anderen gedacht, dass Benedikt sich volkstümlich-gefühlig an seine Landsleute richtet, gewissermaßen mit einem päpstlichen “Kopf hoch, alles gut, schön, dass Ihr alle da seid?” Wer die Reden Joseph Ratzingers vor und nach seiner Wahl zum Papst aufmerksam verfolgt hat, dem musste klar sein, dass beides nicht eintreten würde und dass die akademisch-harmlos daherkommende Abhandlung über Sein und Sollen, über Recht und Natur, die es letztlich war, keine Überraschung darstellte. Denn bei diesem Papst handelt es sich zuallererst um einen äußerst gelehrten Mann, der in der Lage ist, seine Aussagen im philosophischen Medium zu treffen und von dieser Fähigkeit gern Gebrauch macht.

, und Rom

Was aber hat er denn nun gesagt, der Papst in Berlin? Nun, in gebotener Kürze zusammengefasst, hat er vor allem keinen Zweifel daran gelassen, was aus seiner Sicht die natürliche Ordnung der Dinge ist: Der menschliche Geist ist nur dann menschlich und “frei”, wenn er auf die “objektive Vernunft” hört, die sich in der Natur zeigt. Diese wiederum setzt aber die “schöpferische Vernunft” Gottes voraus, der damit trotz aller positivistischen Irrlehren, die diese Gegenwart bestimmen, Grund aller Dinge, aller Erkenntnis und – im politischen Kontext – Basis allen Rechts bleibt. Denn dass “in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig.” Das ist, Papst Benedikt zufolge der Kern der europäischen (Rechts-)Kultur, die “aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden” ist. Damit sind die Claims abgesteckt, und wer das für harmlos oder langweilig hält, dem kann nicht geholfen werden. Es bleibt allerdings eine Frage: Wer hat dieser Tage tatsächlich etwas Besseres zu bieten? Es herrscht das Schweigen.

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