Waren es die Watsch'n? Rücktritt des Augsburger Bischofs Walter Mixa

Affäre Mixa

Saubere Hände

Die Möglichkeiten, sich die Hände zu beschmutzen sind gar vielfältig.

Waren es die “Watsch’n” oder doch das Geld? Zum Rücktritt des Augsburger Bischofs Walter .

“Meiner eigenen Schwächen bin ich mir wohl bewußt.”
So heißt es in der vielleicht für längere Zeit letzten öffentlichen Erklärung des Augsburger Bischofs Walter Mixa. Am Mittwoch bat Mixa Papst Benedikt XVI. brieflich um die Entlassung aus dem Bischofsamt. Dass der Papst dieses Rücktrittsgesuch annimmt, darf als sicher gelten.

“Prügel-Affäre kostet Bischof Mixa das Amt”, so lautete prompt die Schlagzeile auf “Spiegel Online” und tatsächlich hatte der Militärbischofbischof die Brisanz seiner “Watsch’n” offenbar grob unterschätzt, zumal er zunächst leugnete, jemals handgreiflich geworden zu sein.

Doch sind die Ohrfeigen, die der damalige Stadtpfarrer von Schrobenhausen als pädagogische Maßnahmen an Heimkinder verteilte, tatsächlich der Grund für seinen Rücktritt?

Wenn dem so wäre, müsste man jedenfalls laut protestieren. Denn die Ohrfeige als Erziehungsmaßnahme in der Schule ist – auch wenn mittlerweile glücklicherweise verboten – noch kein Beweis für systematische körperliche Züchtigung oder Misshandlung von Schülern. Und sie ist erst recht nicht dasselbe wie sexueller Mißbrauch. Diese Grenzen verschwimmen in den ohnehin wenig tiefgreifenden Debatten der letzten Zeit leider zunehmend.

War es deshalb in Ordnung, wenn Mixa Schüler schlug? Sicher nicht. War er der Einzige? Auf keinen Fall. Eine ehrliche Debatte über Gewalt in der (schulischen) Erziehung müsste klarstellen, dass bis weit in die 1980er Jahre gerade ältere Lehrer und Heimerzieher die Ohrfeige als absolut normale Erziehungsmaßnahme empfanden und praktizierten; diesseits und jenseits des Tatbestands der Misshandlung.

Diese Umstände sind ein offenes Geheimnis und werden doch gerne unter den Tisch gekehrt, weil die autoritäre, noch sehr junge deutsche Erziehungsvergangenheit wohl ein allzu schmerzlicher Spiegel für unsere ach so pazifistische und tolerante Gesellschaft ist.
Dass in deutschen Familien noch immer geohrfeigt und geschlagen wird (man beachte bitte den Unterschied!), wird schließlich genauso ungern thematisiert, wie die Tatsache, dass in weit über 80% der Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern die Täter in der engeren Verwandtschaft zu finden sind.

Doch auch vor dem Hintergrund dieser gesamtgesellschaftlichen Doppelzüngigkeit ist Bischof Mixas Rücktritt nicht mit der “Watsch’n” zu erklären. Sein katastrophales Krisenmanagement, das von Empörung angesichts der Angriffe gegen ihn und einer altklerikalen Hartleibigkeit zeugte, war vermutlich viel eher das Problem. Immerhin regierte er auf die Anschuldigungen zunächst mit einer glatten Lüge und die für einen Militärbischof bizarre Aussage, er lehne Gewalt zwischen Menschen grundsätzlich ab.

Doch schwerer noch als der dennoch höchst beichtrelevante Umstand der Lüge dürfte die Tatsache wiegen, dass sich Mixa auch mit – offenbar durch Dokumente bezeugten – Vorwürfen der Untreue konfrontiert sieht, die ebenfalls aus seiner Zeit als Stadtpfarrer in Schrobenhausen datieren.

Als Vorsitzender der dortigen Waisenhausstiftung soll er mit Geldern eben dieser wohltätigen Institution etwa Kunstwerke (teilweise zweifelhafter Qualität) angekauft haben, die alsdann zum Teil das Pfarrhaus schmückten. Etliche zehntausend Mark stehen zu Buche.
Es sollen darüber hinaus auch Gelder für konkretere Genüsse geflossen sein, genauer: Über 5000 Mark soll der Bischof in einer Zeitspanne für Wein ausgegeben haben, die wohl deutlich zu kurz war, als dass es sich um Messwein gehandelt haben könnte. Es sei denn, man bevorzugte in Augsburg zur Kommunion illustre Gewächse, oder feierte das Abendmahl mit allen Gläubigen.

Wein und Kunst also. Man kann ihn ja verstehen, und an Vorbildern solchen Tuns gebricht es in der langen Geschichte der heiligen Mutter nicht. Es scheint sich nur eines geändert zu haben – und dies angesichts der Papstbegeisterung vielerorts auch nur teilweise: Die Schäfchen kuschen nicht mehr vor dem Hirten.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht in diesem klassischen Stück im Theater des schwachen Fleisches.

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