Der Umsturz in Ägypten in den Medien und der westliche Blick

Ägypten, wohin geht die Reise?

Ägypten, wohin geht die Reise?

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Sie ergreifen, die Geschehnisse in Ägypten. Noch der realpolitisch gestählteste Beobachter wird zugeben müssen, dass er kaum indifferent die übliche Voyeurs-Rolle des Fernsehzuschauers einnimmt, wenn der Umsturz in Ägypten auf dem Schirm zu sehen ist. Bewunderung ist dabei für Menschen, die das Schicksal ihres Landes in die eigenen Hände nehmen, allen Risiken zum Trotz. Und Wut, angesichts der Schlägertrupps des -Regimes die die friedlichen Proteste seit Mittwoch in einen – noch räumlich begrenzten – Bürgerkrieg verwandeln. Unverständnis auch, gegenüber manch wachsweicher Erklärung westlicher Politiker, und vor allem: Skepsis, ob die nächsten Tage und Wochen tatsächlich “Gutes” bringen werden. Wohin geht die Reise in Ägypten?

Der Umsturz in Ägypten in den

Es ist Medienzeit, Zeit der Sondersendungen, Korrespondenten und natürlich Zeit der Experten. Beinahe stündlich kann man sie zur Lage in Ägypten sprechen hören, die Herren und Damen ProfessorInnen; sowohl im öffentlich-rechtlichen als auch im Privatfernsehen. Und während die meisten Korrespondenten sich auch zu Beginn der Woche aus Ägypten auffällig vorsichtig in ihren Prognosen zeigten, schlugen sie, die berufenen Erklärer, in ihren Bücherstuben oder gern vor dem Hintergrund des Brandenburger Tors andere Töne an. Selten waren Zweifel am autobahnmäßigen Verlauf des Umsturzes in Ägypten zu vernehmen, der als sicheres Endziel natürlich eine Demokratie (selbstverständlich nach westlichem Vorbild) haben werde. Klar und einfach wurde die Lage gezeichnet. Wissenschaftlich-kritischer Abstand, prognostische Vorsicht oder gar Selbstzweifel waren, besonders vom öfentlich-rechtlichen Katheder herunter, nicht vorgesehen.

-Experten”

Nun hat das allem Anschein nach taumelnde Regime Hosni Mubaraks noch einmal seine Krallen gezeigt. Offenbar bestens koordinierte und eingeschworene Schlägertrupps, zum Teil wohl aus Polizisten und zu diesem Zweck entlassenen Häftlingen bestehend, verwandelten den Tahrir-Platz in Kairo, Ort der bis dato friedlichen Proteste, in einen Bürgerkriegs-Schauplatz. Das ägyptische Militär scheint unwillig, sich klar auf eine Seite zu stellen, die Entschuldigungen des Ministerpräsidenten wirken wie Hohngelächter. Fürs erste ist sie vorbei, die Autobahn in Richtung Demokratie und diejenigen, die noch am Dienstag dieses naive Liedchen trällerten, bleiben nun auffällig ruhig.

Der westliche Blick

Selbst noch das realpolitisch-zynische Lavieren der westlichen Politik, die vermutlich eine weitere Chance verpasst hat, ausnahmsweise einmal mit klaren Worten einen Rest von Glaubwürdigkeit in der arabischen Welt zu bewahren, war da erträglicher. Dort weiß man zumindest, dass Demokratie nicht heißt, dass einem die demokratisch Gewählten auch passen (siehe Hamas). In der Scheinwelt der Politikwissenschaft werden hingegen vielerorts noch immer Einbahnstraßen nach Friede-Freude-Eierkuchenland geträumt. Gemeinsam ist beiden Haltungen die mittlerweile sprichwörtliche westliche Arroganz, die im Grunde besagt, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle so werden, wie wir.
Dass sich in Ägypten, Tunesien und vielen anderen Ländern der arabischen Welt besonders bei einer jungen, gebildeten Generation längst ein neues, nicht vom Westen abhängiges Selbstbewusstsein entwickelt hat, ist noch immer nicht durchgedrungen.

Dazu müsste man freilich hinschauen, zum Beispiel nach Ägypten.

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